QQ Echolot ist ein Partizipationsprojekt, initiiert von Daniela Krautsack und durchgeführt im Rahmen des MAK Ausstellungsprojektes „2051: Smart Life in the City“ während der Vienna Biennale 2015: Ideas for Change, die von Thomas Geisler und Harald Gründl kuratiert wurde.

2051: Smart Life In The City
QQ Echolot

QQ Echolot („Q“ für englisch „question“, deutsch „Frage“) ist ein Kooperationsprojekt aus dem Bereich Civic Innovation Design (Cities Next) und angewandte Kulturtheorie (Gerald Straub) und spürt Zukunftsideen, Meinungen, Expertisen und Fragen über die Zukunft auf. QQ Echolot ist aber auch ein künstlerisches Forschungsprojekt und produziert eine Plattform der kritischen Auseinandersetzung mit dem Begriff ‚Partizipation‘. Wer partizipiert wie woran? Welche sozipolitischen Konsequenzen gibt es oder nicht? Wer initiiert welche Gestaltungsprozesse warum? und Welches in/formelle Wissen wird wo wofür eingesetzt? Die im Laufe des Projektes entstehenden Fragen werden unmittelbar analysiert. Welche Schwerpunkte von Zukunftsfragen sind feststellbar und worin liegt ihre gegenwärtige Bedeutung? QQ Echolot ist ein Werkzeug zur Orientierung, das dazu dient, dringende politische Handlungsanweisungen herauszufiltern.

Wir haben im Rahmen des Partizipationsprojektes ‚QQ Echolot‘ 1.000 Bürgerinnen und Bürger zur Stadt der Zukunft befragt. Hier finden Sie eine Zusammenfassung der interessantesten Aussagen rund um die Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen dieser Menschen, die aus unterschiedlichsten Alters- und Bildungsschichten stammen und aus vielfältigen Werbevorstellungen extrahiert wurden.

Eine Straße, ein Platz, ein Hinterhof, ein Gehsteig, ein Grünbereich, ein Parkplatz – was ist öffentlicher Raum? Wenn Herr und Frau Mixellon auf einem „Multifunktionsstadtförderband“ durch die Stadt cruisen – ist das Comic Utopie? Welche urbanen Verkehrsmittel wird es geben? Wie sieht die Zukunft des individuellen Verkehrs in der Stadt aus? Wer wird welche Verkehrsmittel benutzen? Eine private Straße, die öffentlich für individuellen Gemüseanbau genutzt wird – wer kann welchen Raum wozu benützen? Wenn die Straßenbeleuchtung ausfällt – welche unmittelbaren Anliegen (von Stadtplanung über Nachbarschaftsinitiativen bis zur Straßenbenützung) werden von wem und auf welche Weise gelöst? Welche Eigenschaften machen eine Stadt zu einer „smart city“? In welcher Form werden BürgerInnen worüber mitbestimmen?

Interdisziplinäre Expertenteams gestalten Räume, die sie selbst verwalten dürfen

Mehr Mitspracherecht der Bevölkerung (z.B. bei Stadtentwicklungsprozessen)

Bedürfnisse der Bewohner regelmäßig abfragen

Barrierefreiheit

Grünraumbeschaffung durch Gemeinflächenausbau

Parkplatznutzung ohne Autos

Qualität des Außenraumes verbessern

Infrastrukturanpassung an Sharing Gedanken

Stadtteil-Selbstverantwortung für Bürger – damit Geisterstadtphänomen eingedämmt wird

Frau und Herr Mixellon kaufen sich neue Schuhe. Regional gefertigt und global vermarktet. Welche Güter werden von wem wo produziert? Mit dem Halbtagsjob im staatlichen Gemischtwarennahversorgerbetrieb werden keine grossen Sprünge gemacht – daher die Idee mit dem auf Wetten basierenden Finanzprodukt. Kreativität und Ideen zählen viel in einer postindustriellen Gesellschaft. Immaterielles Gut wird hoch (weiter)gehandelt – die Wertschöpfungkette unterliegt dennoch meist einer „alten“ Struktur. D.h. – Ideen werden als „Common Good“ von vielen Mitbürgern auf den Markt geworfen und erst in weiterer Folge monetär vermarktet. Worauf wird sich die Höhe von Arbeitseinkommen beziehen? Sind die etablierten Referenzen wie Zeit, Ausbildung und Wertschöpfung noch adäquat? Welche Formen der Arbeitszeit wird es geben? Woran wird wer teilnehmen?

Ideen-Börse entwickeln, in der sich Investoren an der Realisierung beteiligen können

Zukunftsjobs eruieren und Jobanwärter zeitgerecht ausbilden

Schulungsprogramme und sofortiges Einbinden in den Arbeitsmarkt für Asylbewerber – keine Wartezeiten

Basiseinkommen auf Lebensbedürfnisse anpassen

Gleiche Bezahlung für Männer und Frauen

Unternehmen produzieren mit sozialer Verantwortung

Lokale Crowdfunding Netzwerk-Strukturen für Grätzlprojekte

Handel von Ideen etablieren

Motivationssystem ohne monetäre Belohnung

Selbstorganisation erlauben

Reduzierung der maximalen Arbeitszeit

Kreative Arbeitsprozesse werden besser entlohnt

Wenn ein gesellschaftliches System einer dem System kontraproduktiven Finanzwirtschaft unterliegt – d.h. rein gewinnorientiertes Handeln steht als oberste Priorität – dann weichen sich die dem System untergeordneten Werte auf. Kein Wunder, dass Herr und Frau Mixellon auf Wetten setzen, wenn gesellschaftspolitische Maßnahmen, die der Profitmaximierung Einhalt bieten könnten fehlen oder ausgehebelt werden. Was folgt auf einen kollabierenden Finanzmarkt? Worauf wird zukünftig gewettet? Welche Maßstäbe werden für zukünftige Wertschöpfungssysteme gelten? Welche Voraussetzungen für die Mitsprache der BürgerInnen müssten implementiert werden?

Geld wurde weltweit durch ‚Werte‘ ersetzt. An der Börse werden diese Werte gehandelt. Alle Ausgaben des täglichen Lebens werden durch ‚Werte‘ bezahlt. Damit rücken die Talente und Fähigkeiten von Menschen in der Gesellschaft in den Vordergrund.

Finanzwirtschaft nachhaltig gestalten Fähigkeiten

Bezahlung mit alternativen Währungen im Finanzkreislauf erlauben

Schwarzmärkte legalisieren und informelle Märkte stärken

Selbstbesteuerung

Keine Spekulation mit öffentlichen Geldern

Die halböffentliche Schule gilt nicht mehr als Modell, sondern ist mittlerweile die Norm. LehrerInnen (wie auch Kindergarten-PädagogInnen) sind top ausgebildet – Klassen sind klein und werden kollaborativ und kooperativ geführt. Darüber wird keine Grundsatzdiskussion mehr geführt. Gut so, denken sich Herr und Frau Mixellon. Wo wird welches Wissen wie generiert werden? Wer wird in welcher Funktion Wissen vermitteln? Wer will warum welche Inhalte wie vermitteln?

Das Schulsystem wird entpolitisiert

Praxisorientierteres Wissen vermittlen (Talentschmieden)

Kinder lernen optimale Ressourcennutzung von klein auf

Roboter füllen Jobs, für die sich keiner anbietet oder ausbilden will.

höheres Bildungsniveau anpeilen

verpflichtendes Auslandsjahr

Handwerksausbildung forcieren

Verknüpftes Wissen lehren

Frontalunterricht existiert nicht mehr – wird durch Individualunterricht ersetzt

Das Leitungswasser kommt aus dem Wasserhahn und ist ausgezeichnet. Daran hat sich in den letzten 50 Jahren auch nichts geändert. Dank sozialer Netzwerke und zusammengeschlossener Initiativen konnte eine Privatisierung verhindert werden. Frau und Herr Mixellon wissen das zu schätzen und arbeiten mit anderen daran, dass weitere Dauerzwischennutzungsstrukturen in den leerstehenden Shoppingmalls eingerichtet werden. Was wird wo wie warum konsumiert? Wer bestimmt den Wert welcher materiellen Güter? Was bewegt eine „kritische Masse“? Wer bestimmt welche Zeit? Welche Tätigkeiten werden wie bewertet?

Leerstehende Läden anderweitiger sozialer Nutzung zuführen (keine leerstehenden Lokale mehr) - wer keine innovativen Geschäftsideen hat, muss die Fläche für soziale Zwecke zur Verfügung stellen

Innenstadtbelebung, die BürgerInnen via Smartphone-Technologie mitsteuern können

Einkommensabhängige Preisgestaltung bestimmter Güter und Angebote

Freizeit wird zur gesetzlich geschützten Zeit

Konsumfreie Zonen

Nahversorgung fördern

Die 34m2 Wohnung von Herr und Frau Mixellon ist kein Luxus, sondern entspricht dem Standard vor Ort. Es ist nicht das Haus, sondern der gesamte Straßenzug, der in privater Hand liegt. Die mögliche Mitbestimmung betreffend der Nutzung und Gestaltung des Viertels ist etabliert und funktioniert gut. Letztendlich unterliegt die Mitwirkung jedoch dem Wohlwollen einer an eine Hierarchie gebunden Struktur. Welche Formen des Zusammenlebens wird es geben? Alt-Alt/kollektiv - individuell/urban-rural? Wie wird von wem wo welcher Wohnraum geschaffen? Was kann man tun, um das jeweilige Lebensumfeld qualitativ zu verbessern?

Mitbestimmung mehr fördern

Wohnraum an Lebensphasen anpassen

Lebensabschnittswohnungen bereitstellen

Nur „eigene Nutzung“ von Wohnraum erlauben

Leerstandsnutzung als Wohnraum

Generationenübergreifendes Wohnen forcieren

Im Innovationszentrum sind Frau und Herr Mixellon sehr eingebunden. Alle, die diese Einrichtung betreiben, bemühen sich um einen offenen, für alle zugänglichen Ansatz. Auch Herr und Frau Mixellon sind nicht in diesem Land geboren. Umso mehr schätzen Sie es, wenn ein kultureller Austausch passiert. An diesem Abend kommen mehr BürgerInnen als jemals zuvor mit großartigen Ideen. Es wird beschlossen, mindestens 7 weiter selbstverwaltete Innovationszentren zu eröffnen, Ideen umzusetzen und direkt zu vermarkten. Welche Identitäten werden worauf Bezug nehmen? Welche kulturellen Formen werden wo wie erlebbar sein? Was ist das Problem? Wer will was warum? Welches Wissen ist notwendig, um was für wen zu entscheiden?

Integration der Menschen mit Migrationshintergrund fördern – und damit Positionierung der MigrantInnen total verändern

Anreizsysteme für Engagement und Partizipation

Wissensvermittlung basierend auf Kulturaustausch

Regeln des Zusammanlebens ab Kindergarten

Religion wird ausschließlich zur Privatsache erklärt

Vermittlung der Rolle der Frau im Rahmen verpflichtender Integrationskurse für Asylanten und Immigranten

Der Ausdruck Migrationshintergrund verschwindet – den wird jeder Bürger haben

Die basismedizinische Versorgung ist für Frau und Herrn Mixellon kein Problem, da einer der beiden an der Quelle sitzt und die Arzt – Termine und etwaige Medikamente unmittelbar zur Verfügung stehen. Ein Privileg. Solange die beiden nicht zu oft und lange mit dem Förderband unterwegs sind, tun sie auch etwas für ihre Gesundheit. Das wird von der freiwilligen Selbstversicherung selbstverständlich einkalkuliert. Welche gesundheitsfördernden Maßnahmen werden den Alltag bestimmen? Wer wird wen wie medizinisch versorgen? – und: Wer entscheidet was?

Gesundheitsförderprogramme als präventiver Impuls

Im Board von Pharma- und Lebensmittelunternehmen sitzen vom Volk gewählte Beobachter aus der Bevölkerung

Gesund werden wird leistbar für alle

Pflege garantieren

Anbau gesunder Lebensmittel fördern

Keine Gentechnik in der Lebensmittelindustrie

Herr und Frau Mixellon reparieren unentgeltlich die Straßenbeleuchtung gemeinsam mit den offiziell dafür eingesetzten Handwerkern. Die Straße für den Gemüseanbau liegt in privater Hand, wie auch das gesamte Viertel. Die Schule ist halböffentlich und der Gemischtwarennahversorgerbetrieb ist öffentlich. Herr und Frau Mixellon bestimmen in vielen Bereichen ihre gesellschaftspolitische Umgebung mit. Politische Akteure sind durchgehend kompetent in ihren jeweiligen Handlungsbereichen. Politische Entscheidungsträger sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Handlungen dem Gemeinwohl zu unterstellen.

Als gesellschaftspolitische Errungenschaft wird allgemein anerkannt, daß in hohem Masse an politischer Bildung, an Vermittlung und Generierung von in/ formellem Wissen und an der Distribution von Information gearbeitet wird, um eine konsequenzreiche und kompetente Mitbestimmung überhaupt erst zu ermöglichen.

Welches Selbstverständnis werden welche politischen Akteure an den Tag legen? Wie wird wer wo und was repräsentieren/ entscheiden/ umsetzen?

Psychologische und Kompetenz-Eignungsprüfung für Politiker und Entscheidungsträger

Konstante Politikerfortbildung

Mehr Mitsprache vom Volk

Polyzentrische Stadtplanung und kommunale Selbstorganisation (lokalen Gemeinschaften kommt verwaltende Funktion zu)

Korruptionsaus (jede Form von ‚schmieren‘ resultiert im Entzug seiner ‚Werte‘ und 160h Sozialarbeit

Nachhaltigkeitsverträge abschließen

Marktwirtschaftlich unabhängig vom Ausland agieren

Meinung der Bevölkerung in Entscheidungsfindung miteinbeziehen

Politik loslösen von Finanzwirtschaft

Privatisierungsverbot von Grundwerten (Wasser, Wohnen, Bildung)

Gemeinwohlpriorität

Zuviel Energieverbrauch wird höher besteuert

Technische Umsetzung:

andreaswiesenhofer.com

Illustration:

www.andreasrampitsch.com

Künstlerische Beratung:

Gerald Straub

Mit freundlicher Unterstützung von: